Nach meinen "persönlichen Song-Zeitreisen" zurück in die Jahre 1981- 84 zu den Songs und Texten der Alben  Für usszeschnigge,
Vun drinne noh drusse und "Zwesche Salzjebäck un Bier", habe ich dieses Projekt mit einer Spurensuche mit ausgewählten Songs fortgeführt:

 

2001

 

„Wat schriev mer en su enem Fall?“ ("Famous blue raincoat“) (2001)

"Und zwar ist das ein Song, den wir ganz am Schluß noch aufgenommen haben, als wir festgestellt haben, es ist noch Platz auf dieser Doppel-Vinyl-Scheibe , also sozusagen der Bonus-Track. Ein Stück von Leonard Cohen, das ich direkt am Anfang unserer Session-Zeit da übersetzt habe, weil dieser Raum so schön war und die Crew noch nicht so weit war mit dem Aufbauen. Denke, jetzt mußte irgendwie mal sehen, daß du Leonard Cohen's "Famous Blue Raincoat" eingekölscht kriegst. Und das hat sich als gut erwiesen, weil dann hatten wir auch das Stück, welches die 16 vollmachte, damit man auf jede Seite vier kriegte."

Wolfgang Niedecken beim WDR2-Unplugged-Konzert am 10.Juni 2001

 

„Irgendwann in den frühen 1970er Jahren stahl ein Dieb Leonard Cohens alten Regenmantel aus Marianne Ihlens New Yorker Wohnung. Was dann damit geschah, weiß nur Gott allein. Aber der Dieb hatte mit ziemlicher Sicherheit keine Ahnung, dass er ein Objekt stahl, das in die Rock and Roll Hall of Fame gehört. Wenn nicht sogar ins Smithsonian.
Es war genau dieser Mantel, der Leonard Cohen zu einem seiner beliebtesten und geheimnisvollsten Lieder inspirierte. Es ist in Form eines Briefes geschrieben. Möglicherweise an den Bruder des Erzählers, der ihm seine Geliebte Jane ausgespannt hat.
„Famous Blue Raincoat“ hat die Zuhörer seit seinem ersten Erscheinen auf dem Album Songs of Love and Hate aus dem Jahr 1971 in seinen Bann gezogen. Obwohl Cohen zugibt, dass er mit dem Text nicht zufrieden ist.
„Das war ein Lied, mit dem ich nie zufrieden war“, sagte er 1994. „Es ist nicht so, dass ich mich einer impressionistischen Herangehensweise an das Songwriting widersetzt hätte. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich den Text wirklich auf den Punkt gebracht hätte. Ich bin bereit, dem Geheimnis etwas nachzugeben. Aber insgeheim hatte ich immer das Gefühl, dass etwas an dem Lied unklar war.“

Aus dem „Rolling Stone“

 

Songtext

„Wat schriev mer en su enem Fall?“

„Youtube“-Video von „redbossfan“

 

 

"Dir allein" (2001)

""Dir allein" ist die letzte Nummer auf der CD-Ausgabe, die Vinyl-Fassung hat ja noch zwei Titel mehr. Wie "Wat e'Johr" aus den Wellen kommt, so geht "Dir allein" in die Wellen zurück. Eine fast religiöse Nummer. Sie handelt von dem Moment, wo man nachts das Licht ausgeschaltet hat und mit sich selbst spricht und wohl so ehrlich ist, wie man den ganzen Tag über nie sein konnte. Man fummelt ja sich doch immer wieder ein bißchen durch, trickst sich selbst aus und nur so funktioniert es. Aber dann dieser magische Moment, wenn das Licht aus ist und man über die Dinge nachdenkt, die einen wirklich berühren. Das kann schon wie ein Gebet sein. Dieser Moment gehört einem ganz allein. Und damit klingt "Aff un zo" dann in der Brandung von Cala San Vicenc aus.""

Wolfgang Niedecken auf der Website von "MusikWoche.de",  31. Mai 2001

 

"Und das letzte Stück, das man auf dem Album hört ist ein ähnlich besinnliches, was allerdings dann am Schluß noch mal richtig in die Kurve geht und dann endet mit diesen Wellengeräuschen, die der Mitabeiter Streifling fleißig gesammelt hat. Er ist mit einem Mini-Disc-Gerät ganz nah an die Wellen von Cala St. Vincente gegangen und hat das für euch mitgebracht. ... Es ist also von diesem wunderbaren Moment die Rede, wenn das Licht aus ist, wenn man im Bett liegt und keiner will was von einem und man ist so ehrlich zu sich, wie man sonst wahrscheinlich den Rest des Tages nicht war, denn dann macht man sich nichts vor. Es ist fast ein spiritueller, fast ein religiöser Moment - wie ich als ehemaliger Katholik sagen könnte."

Wolfgang Niedecken beim WDR2-Unplugged-Konzert am 10.Juni 2001
 

 

Songtext

„Die Moritat vun Jan un Griet“ in den BAP-Film „Viel passiert“

"Dir allein" (Köln Arena 2001)

 

 

"Chippendale Desch" (2001)

"Der "Chippendale Desch" ist ein Teil, das die BAP-Fans wahrscheinlich schon vom "Salzjebäck un Bier"-Cover her kennen - dort ist ein Viertel dieses besagten Tisches von oben abgelichtet,, an dem ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Teilweise hatte ich einen ziemlichen Horror davor, an diesem Tisch den Rest meines Lebens ab enden zu müssen. Im übertragenen Sinne: Ich hatte Angst, nie aus dieser damals als ziemlich spießig empfundenen Atmosphäre herauszukommen, etwas anderes zu erleben. "Salzjebäck" erschien 1984, mittlerweile haben wir 2001. Meine Mutter ist im vergangenen Jahr gestorben, wie überhaupt einige Menschen, die mit BAP zu tun haben, im letzten Jahr geboren wurden oder gestorben sind. Es geht auf und abwärts, Licht und Schatten, eins kommt zum anderen....Jedenfalls hat meine Mutter mir nicht nur diesen Chippendale Desch vererbt. Aber natürlich auch ihn; den wollte ich unbedingt haben. Der Tisch stand bis zuletzt auf ihrem Zimmer. Wie das so ist, wenn ausgerechnet die Mutter als Letzte ihrer Generation stirbt und man die ganze Wohnungseinrichtung vererbt bekommt - man findet die Briefe und die Fotos und reimt sich die Geschichte des Menschen zusammen, mit dem man am meisten zu tun hatte. Und wenn wir ehrlich sind - mit wem hat man mehr zu tun als mit seiner Mutter, wenn sie lange genug lebt. Und ihr Lebens rekonstruiert sich anhand dieser, wennn Du so willst, Souvenirs und man kriegt es hoffentlich in die richtige Gewichtung. Man muss wissen, dass meine Mutter eine sehr lustige Frau war. Sie hätte niemals gewollt, dass wir ein Trauerlied schreiben, wenn sie mal - wie sie immer sagte - "en der Kess litt". Die Nummer fängt bedächtig an, steigert sich und schon ist das Ganze eine Party. Wir haben während der ganzen Arbeit an dem Stück immer wieder gesagt: 'Sie müsste es gut finden!' Und unter diesem Gesichtspunkt hiess es immer wieder: "Nä, das würde sie noch zu lahm finden, da muss noch ein Löffelchen drauf..." Und so ist das Stück auch geworden, eine Party."

Wolfgang Niedecken auf der Website von "MusikWoche.de",  31. Mai 2001

 

"Erstaunlich beliebt beim Publikum, obwohl dieser Song über acht Minuten lang ist und man sehr aufmerksam zuhören muss. Bei einer Umfrage zum Ende der Aff-un-zo-Tournee landete „Chippendale Desch“ in der Gunst des Publikums weit oben. Der Song ist quasi die Biographie meiner Mutter, die kurz vorher gestorben war, erzählt anhand verschiedener Erbstücke, denen man bei einer Wohnungsauflösung begegnet, vom ereignisreichen Leben dieser wirklich starken Frau. Den Tisch hatte ich mir schon 1984 als Covermotiv für „Zwesche Salzjebäck un Bier“ ausgeborgt. Das war der Tisch, an dem ich gelitten habe, den ich auch ungeheuer spießig fand, aber an dem alles Wichtige passiert ist. Meine Mutter hat mir damals gesagt: „Irgendwann willst du den haben“. Tatsächlich steht er heute bei mir."

Wolfgang Niedecken - "Song by Song" zum "NiedeckenKoeln"-Album 2004

 

Songtext

Wolfgang Niedecken im Kino "Babylon" in Berlin (07.06.11)

 

 

"Suwiesu" (2001)

"In "Suwiesu" steckt auch die Zeile "aff un zo" drin. Ich hatte sie da bewusst eingearbeitet, damit sie auf dem Album wenigstens einmal vorkommt. Das Stück handelt von einem Rheinschiffer, dessen Gene seit Generationen den Rhein auf- und abwärts fahren. In diesem speziellen Falle kämpft sich das Schiff flußaufwärts. Dieses Thema interessierte mich. Der Name Sisyphos fällt in dem Song. Es war eine sehr schwere Nummer. Das gegen etwas ankämpfen, sich durchbeissen war mein Thema. Damit bin ich eine Zeit lang schwanger gegangen. Und eines Tages auf dem Fahrrad rheinaufwärts Richtung Godorf fiel der Groschen. Das war's - diese Schiffe, die den Fluss hochtuckern. Wenn man nahe am Rhein lebt, kann man auch in der Nacht die Motoren dieser rheinaufwärtsfahrenden Schiffe hören. Dieses Geräusch mochte ich schon immer sehr gern."

Wolfgang Niedecken auf der Website von "MusikWoche.de",  31. Mai 2001

 

"Wegen der Textzeile "Mer weed doch dräume dürfe, aff un zo" war der Song eigentlich als Titelstück fürs "Aff un zo"-Album vorgesehen, bis plötzlich dieser gleichnamige Reggae-Ohrwurm auftauchte, der dann sogar noch zu einem unserer wenigen Radiohits wurde. "Suwiesu" hat deutlich mehr mit meiner Familie zu tun als man auf den ersten Blick denkt. Ich kann mich tatsächlich noch an das Gefühl auf dem Arm meines Vaters erinnern, der sich zeitlebens nach einer Rückkehr aufs Land sehnte und an so manchen zurückrollenden Sisyphus-Felsen in meinem eigenen Leben. Einige davon haben damit zu tun, dass mein Beruf nicht unbedingt familienkompatibel ist"

Wolfgang Niedecken im Booklet von "Reinrassije Strooßekööter", 2017

 

Songtext

Youtube-Video

Leider bin ich bei der Spurensuche nach dem Video der Doku „Alles ist im Fluss - Wolfgang Niedecken zum 70.“
nicht fündig geworden …

„Die Dokumentation erzählt verschiedene Stationen einer besonderen Reise – der Lebensreise von Wolfgang Niedecken. Im Herbst 2020 erschien das 20. Studioalbum der Kölner Band BAP, die neben den Toten Hosen und den Ärzten zu den drei ganz großen Rockbands der Bundesrepublik gehört. Doch die Jubiläumstour musste genauso verschoben werden wie das für Frühjahr 2021 geplante Konzert zum 70. Geburtstag von Wolfgang Niedecken. Und so begann für Niedecken eine stille Zeit, die er genutzt hat für einen besonderen Lebenstraum: Einmal mitzufahren auf einem Rheinfrachter, der ihn an einigen wichtigen Stationen seines Wirkens vorbeifahren und eine andere Perspektive auf sein Leben einnehmen lässt. Die Dokumentation erzählt von verschiedenen Stationen dieser Reise – emotional, thematisch, biographisch. Es geht um Heimat, um Musik, um Verantwortung für die Gesellschaft. Aber auch um Frohsinn und Lebenslust.“

 

 

"Souvenirs" (2001)

"Wat wohl Carlos enn Managua määt?"

"Ich nehme an, das mit dem Sammeln von Souvenirs oder Andenken ist eine weitverbreitete Unsitte, aber keinem wird es so gehen wie mir, denn ich sammle so ziemlich alles und man trägt mir auch immer alles zu, damit ich noch ein bißchen mehr in den Regalen stehen habe. Es ist wunderbar, denn ich brauche das anscheinend. Ich muß da langsam mal lernen dazu zu stehen. ... Ihr kennt das auch: Man hat Sachen da rumliegen, die einen an Leute erinnern. Es gibt Sachen, die trägt man auch nur als Souvenir im Kopf mit sich rum. Und dieses Stück hier wimmelt von Souvenirs. Es kommen Leute vor, an die ich jahrelang nicht mehr gedacht habe - erst als ich angefangen habe zu der Musik vom Jens diesen Text zu schreiben. Beispielsweise kommt einer drin vor ... , ein  Typ aus Managua: Als wir '87 mit den Complizen unterwegs waren in Nicaraqua und wir spielen im "Cine Altamira" in Managua, dachte ich: "Warum in aller Welt ist nach jedem Stück ein Stromausfall? Wie kann es kommen?" Nachdem das so und so oft mal  passiert war bin ich dann nach hinten gegangen und hab mal geguckt und ohne Übertreibung, es stand ein sehr kräftiger Mann, der Rowdy der Band, mit der wir da zusammen  unterwegs waren, namens Carlos und tatsächlich: Er hat es geschafft in diesem völlig heruntergekommenen Kino den Strom wenigsten für uns in der Form pro Stück zu sichern, weil er rechts und links vom Sicherungskasten diesen dicken Draht hatte und den immer aneinander hielt solange bis das Stück zu Ende war und wenn das Stück zu Ende war, mußte er nachfassen. ... Ich habe mir von dem Mann ein Autogramm geholt und das ist auch eins dieser Souvenirs von dem die Rede ist: Das ist Carlos aus Managua. Wenn ihr aufpaßt, werdet ihr ihn im Text wiederfinden."

 Wolfgang Niedecken beim WDR2-Unplugged-Konzert am 10.Juni 2001

 

Songtext

live im Tambach (18.7.2014)

Setlist.fm (Nicaragua, 1987)

Setlist.fm (Maputo, 1988)

Homepage von Matthias Keul

Dokumentation "BAP in China" (1987)

Photo by John Maher:
„A police car at the corner of St. Marks Place and Second Avenue, East Village, New York City in 1979“

 

 

"Istanbul" (2001)

"Beim nächsten Stück haben wir eine Nacht-Session gehabt. Das war wunderschön: Draußen hat es gestürmt und wir haben nicht damit gerechnet, dass in der Nacht noch schönes Wetter kommen würde, aber es kam dann, als wir fertig waren, als wir sechs oder sieben Versionen eingespielt hatten. Als wir herauskamen war strahlender Sternenhimmel und das passte wunderbar zu dem Stück. Das ist ein Stück, das handelt von den Deformationen, die einem passieren können, wenn man länger in diesem Showbusiness unterwegs ist. Es ist zusammengesetzt aus verschiedenen Personen, die ich natürlich alle kenne, aber es ist nicht von einer Personen die Rede - es ist beispielsweise auch von mir die Rede. Das Stück heißt "Istanbul" und handelt an einer Stelle von ein paar Jungs, die Anfang der siebziger Jahre am Bosporus gestanden haben und gedacht haben: "Wow, da drüben fängt Asien an!" - und diesen Augenblick darf man nie vergessen..."

Wolfgang Niedecken beim WDR2-Unplugged-Konzert am 10.Juni 2001

 

""Istanbul" ist ein Stück, das von den Deformationen handelt, die einem widerfahren können, wenn man in diesem Showbusiness arbeitet und lebt. Die beschriebene Person ist zusammengesetzt aus vielen verschiedener Personen und ich glaube an der einen oder anderen Stelle bin ich auch dabei. "Istanbul" ist ein sehr nachdenkliches Stück, aber das musste einfach mal sein."

Wolfgang Niedecken auf der Website von "MusikWoche.de",  31. Mai 2001

 

Beim "Konzert an der toten Brücke" bei Euskirchen

Songtext

 

 

"Eddie's Radio Show" (2001)

""Eddie's Radio Show" ist eine Hommage an die alten Radiozeiten, wo man noch mit Freude Radio hören konnte, weil man im Äther wirklich erfahren konnte, was musikalisch und sonst so abgeht. Das trifft ja heute leider nicht mehr zu, oder zumindest nur bedingt. Man muss wirklich ganz genau wissen, wann man einschaltet, um Radio in dieser Form zu hören. Früher war es halt so, dass die Kollegen im Radio mir erzählten, was musikalisch in der Welt passierte. In den Siebzigern während des Malens lief ständig das Radio und man konnte Reportagen hören, Berichte über Musik, die man noch nicht kannte, und Länder, wo man noch nicht war. Das war wirklich interessant. Und meistens bin ich danach auch losgerannt und habe mir das entsprechende Material besorgt: Platten, Bücher, usw. Dieser Song ist eine Hommage an die Jungs, die damals zu uns sprachen, und die heute leider oft nur noch als Werbe Jingle-Sprecher zu hören sind."

Wolfgang Niedecken auf der Website von "MusikWoche.de",  31. Mai 2001

 

"Es ist eine Hommage an die Herren und Damen, die in den sechziger oder siebziger Jahren im Radio so viele Informationen gebracht haben über neue Musik, die man ansonsten nicht mitgekriegt hätte, wo man auch gerne am Radio gesessen hat und sich mal eine Reportage reingetan hat. Ich weiß noch während meines Kunststudiums der Malerei habe ich die ganze Zeit dieses Radio angehabt und man hat mir gottweißwas erzählt, was in der Welt vor sich ging. Und es war noch nicht dieser Zwang zum "mindestens nach anderthalb Minuten muß irgendwie der nächste Chart-Hit kommen" , damit man nur ja nicht anfängt zu denken, oder so. Und ich denke, es ist vielleicht mal an der Zeit den Leuten, die diese Art Radio gemacht haben und den ganz wenigen, die das heute immer noch tun - erfreulicherweise - , ein kleines akustisches Denkmal zu setzen."

Wolfgang Niedecken beim Konzert in Bern am 7. Juni 2001

Songtext

Live in Euskirchen (15.06.01)

"Radio Journal": „Gespräch mit Frank Laufenberg - Autor, Musik-Journalist und Moderator“

„RadioSzene": Frank Laufenberg: „Radio regte früher die Phantasie an – das hat sich inzwischen geändert“
 

HR3: Radiolegende Werner Reinke: „Rückwärts gewandte Sendungen sind mir ein Graus

 

 

"Die Moritat vun Jan un Griet" (2001)

"Meine persönliche Lieblingsgeschichte aus dem kölschen Fundus ist die von einem Päärchen, welches nicht zueinander finden sollte zur Zeit des dreißigjährigen Krieges. Diese Geschichte wird jedes Jahr am Severinstor aufgeführt und zwar an Weiberfastnacht. Ich habe mir das Ding tausenmal angeguckt und ich fand es immer wieder klasse. Kurz danach muß ich immer wieder machen, daß ich aus Köln wieder rauskomme, aber die Geschichte muß ich immer noch haben. Um es kurz zu machen: Der Jan war Knecht auf einem Bauernhof innerhalb der Kölner Stadtmauern - da war damals noch Platz - und die Griet war Magd auf diesem Bauernhof, und er war "tierisch verschossen" in die Griet, aber sie war zu "höherem geboren" - dachte sie. ... Jedenfalls, sie hat ihn auflaufen lassen und er ist dann ganz verzweifelt und traurig in den den Krieg gezogen, in den dreißigjährigen. Als er dann wieder nach Köln zurückkam, hatte er auch Karriere gemacht ... - er war der Reitergeneral Jan von Werth. Er kam zurück und auf einer Art Triumphzug ritt er er genau durch besagtes Severinstor und auf der linken Seite, wenn man reinkommt, saß dann Griet mit einem Apfelkorb als Marktfrau, erkannte ihn wieder und natürlich hat sie es bereut: "Jan, "wer hätt et jewoss!?" ... "Tja, wer hätt et jedonn!?" - das heißt soviel wie "Dumm gelaufen!" oder so ähnlich. Und wir sind froh endlich mal ein Stück zu haben, wo eine richtige Moral am Schluß ist. Also, Mädels, zuhören..."

Wolfgang Niedecken beim Konzert in Bern am 7. Juni 2001

 

""Die Moritat vun Jan un Griet" basiert auf einer der für meinen Geschmack schönsten Kölner Legenden. Jan war Knecht auf einem Hof innerhalb der Kölner Stadtmauern zur Zeit des 30jährigen Krieges und Griet war eine Magd. Jan war sehr verliebt in sie, aber egal, was er auch anstellt - Griet wollte ihn nicht. Ihr stand der Sinn nach Höherem. Jan zieht verzweifelt in den Krieg und kommt dann viele Jahre später als hochdekorierter Reitergeneral Jan von Werth wieder in die Stadt. Diese Geschichte wird Jahr für Jahr an Weiberfastnacht am Severinstor aufgeführt, in der Gegend, wo ich aufgewachsen bin. Seit meiner frühen Kindheit habe ich diese Aufführungen gesehen und das war für mich immer eine höchst nachdenkenswerte Geschichte. Ich fand die Story nie langweilig. Mich faszinierte vor allem die Tatsache, dass das Ende offen blieb. Es war klar, dass ich eines Tages daraus einen Songtext machen würde. Als wir anfingen, den BAP-Film mit Wim (Wenders) zu drehen, kam mir diese Geschichte wieder in den Sinn. Jan ist dafür ein Filmvorführer und Griet eine Platzanweiserin. Jens (Streifling) hatte glücklicherweise eine Musik, die ironisch genug war, so einen Text zu transportieren, diesen Frage-Antwort-Dialoge - mit einer wirklich ernsten Nummer wäre das nicht gegangen. Es muss schon ein bißchen 'tongue in cheek' sein. Das passt alles sehr schön zusammen. Vor allem wenn man den Titel liest, kommt man nicht auf die Idee, dass es sich um eine derart heftige Uptempo-Nummer handelt. Viel eher würde man an einen Leierkasten, an etwas Getragenes denken. Dabei ist das eine der schnellsten Nummern auf dem Album."

Wolfgang Niedecken auf der Website von "MusikWoche.de",  31. Mai 2001

Songtext

"Die Moritat vun Jan un Griet" in dem BAP-Film "Viel passiert"

Das "Reiter Korps Jan von Werth e.V." präsentiert das traditionelle Spiel um "Jan und Griet"