Nach meinen "persönlichen Song-Zeitreisen" zurück in die Jahre 1981- 84 zu den Songs und Texten der Alben  Für usszeschnigge,
Vun drinne noh drusse und "Zwesche Salzjebäck un Bier", habe ich dieses Projekt mit einer Spurensuche mit ausgewählten Songs fortgeführt:

 

2004

 

"Ich wünsch mir, do wöhrs he" (2004)

"Das ist eins, was in Marokko entstanden ist - Anfang dieses Jahres - und Helmut hat mir ein Stück mitgegeben...
Zur Text-Erklärung: Es begab sich, dass Anfang des Jahres im Frühjahr in Marokko, ein neuer Thronfolger geboren worden ist und wir waren sehr irritiert, mein Freund Manfred und ich, was da abging an Feierlichkeiten. Wir haben es nicht kapiert. Wir haben immer gefragt, was ist denn hier los? Uns wurde erklärt: "Le jeune roi" würde gefeiert. Das war halt der Prinz. Und wir haben  irgendwann ein sehr stark verpixeltes Foto gesehen, wo er drauf war. Und ganz Marokko stand Kopf und viele andere Sachen in dem Stück werdet ihr auch nicht auf Anhieb verstehen, selbst dann nicht, wenn ihr die Kölsch-Grenze überschritten habt.
Es hört auf mit einem Mädchen, das in Essaouira auf der Stadtmauer zwischen den Kanonen die Bilder, die Gemälde ihrer Mutter verkauft."

Wolfgang Niedecken auf dem Unplugged-Konzert bei der "AVO Session" in Basel am 13. November'03

 

Allerdings können kölsche Texte bei Kindern oder bei Menschen, die nur der hochdeutschen Sprache mächtig sind, durchaus zu Missverständnissen führen:  ;-)
"Und als ich das Lied dann meinen zuhause gebliebenen drei Damen vorspielte und meine Töchter waren halt noch entsprechend zehn Jahre jünger, endete das mit der Frage:
"Mama, wieso findet der Papa eigentlich Oleander blöd?" 
;-)

Wolfgang Niedecken in Tambach 18.7.2014

 

Songtext

"Ich wünsch mir du wöhrs he" in Tambach (18.7.2014)

 

 

"Unger Krahnebäume" (2004)

"Das haben wir mit der Big Band aufgenommen, bevor wir mit BAP auf die „Sonx“-Tournee gingen. Da mussten wir eine neue Fassung machen, bevor sich die Urversion live bewähren konnte. Hat jetzt was von Dylan zu Zeiten von „Desire“. Nach der Straße „Unter Krahnenbäumen“ hat Chargesheimer auch seinen Fotoband benannt, der das Eigelsteinvietel in den Fünfzigern porträtierte. Böll hat die Fotos von Chargesheimer gesehen und gesagt: ‚Das erinnert mich an die Straßen in der Südstadt‘ – die, in denen ich aufgewachsen bin. Etliche Jahre später, aber vieles war genauso. Die Typen mit dem Kohlenwagen und den Pferden, Straßenfeste, wo morgens die Mädchen als kleine Engel Blütenblätter streuen, die Metzgereien, die Gipsmadonnen, mit Blumen geschmückt, wo sich alle fein gemacht haben und abends die Schlägereien das Ganze abrundeten – das habe ich als Kind in den 50ern genau so erlebt. Ich weiß sogar noch, wie es dort roch."

Wolfgang Niedecken - "Song by Song" zum "NiedeckenKoeln"-Album 2004

 

"Zentrales Stück des Albums ist jedoch "Unger Krahnebäume", wie Niedecken im AP-Interview erklärt. Der Song, eine wehmütige Hommage an eine Straße im Kölner Eigelstein-Viertel, überzeugt mit Melodie und Tempo. "Da ist alles drin vom Grundgefühl der anderen Songs. Ein ganz klar entschlacktes Stück. Freie Fahrt auf der Nord-Süd-Fahrt eben, wie es im Text heißt", sagt Niedecken.
Im Text wird auch auf das zentrale Symbol des Albums angespielt, eine Brosche mit Kreuz, Herz und Anker, die auf dem Cover abgebildet ist und die alle Bandmitglieder auf den Fotos im Booklet am Revers geheftet haben. Das so genannte Ankerkreuz symbolisiert Glaube (im Sinne von Zuversicht), Liebe und Hoffnung, für Niedecken das Paradigma, aus dem sich alle Rocksongs speisen."

aus der "Rheinischen Post" vom 3. März'04

 

Songtext

Youtube-Video

www.literaturinkoeln.de: „Schlagwort: Straßen wie diese“