Nach meinen "persönlichen Song-Zeitreisen" zurück in die Jahre 1981- 84 zu den Songs und Texten der Alben  Für usszeschnigge,
Vun drinne noh drusse und "Zwesche Salzjebäck un Bier", habe ich dieses Projekt mit einer Spurensuche mit ausgewählten Songs fortgeführt:

 

1987

 

"Nie met Aljebra" (1987)

„Falls jemandem die Stelle mit den "fallenstellenden Erinnerung " bekannt vorkommt, ... habe sie erst in "Bunte Trümmer" transplantiert, nachdem feststand, daß "Aljebra" nicht auf "Ahl Männer" erscheinen würde. Kindheitserinnerungen..."

Wolfgang Niedecken im Beiheft zum "Schlagzeiten"-Album

 

"Sie haben ja bereits „Nie mit Aljebra“ erwähnt. Der Song war eigentlich der Grund für mein erstes Soloalbum Schlagzeiten, das 1987 erschien. Es gab bei BAP nur noch einen weiteren Musiker, der das Stück mit der Band aufnehmen wollte, und das war der „Schmal“ Boecker. Bei den anderen gab’s zwar einige, die indifferent waren, aber tatsächlich gab es eine große Opposition. Das fand ich sehr schade, denn es waren noch einige andere tolle Lieder übriggeblieben. Es war, wie ja allgemein bekannt ist, eine kritische Phase damals, während den Aufnahmen zum Ahl Männer, aalglatt-Album, BAP war kurz vorm Auseinanderfliegen. An dem gemessen haben wir uns danach nochmal, für die nächsten vierzehn Jahre, recht ordentlich zusammengerauft – Gott sei Dank. Aber „Nie mit Aljebra“ war wirklich der Grund für mein erstes Soloalbum, weil mir und dem Schmal dieses Lied so wichtig war."

Wolfgang Niedecken im Gespräch mit Sascha Seiler auf "Literaturkritik.de"

 

„Auf dieser Platte sind fast nur Texte, die entweder zu lang oder zu autobiographisch waren, um bei BAP verwirklicht zu werden.“ Was das bedeutet, kriegt der Hörer gleich im ersten Lied zu spüren: Zehn Minuten lang singt Niedecken von seiner Kindheit in den Fünfzigern, von der Zeit im Rheinbacher Internat, von der Hölle dieser Männerwelt, vom Kalten Krieg.“

aus  „Leiden am Kleinbürgermief“: Wolfgang Niedecken 1987 im Gespräch mit Christoph Drösser

 

Songtext

Wolfgang Niedecken & Complizen: "Nie met Aljebra"

Wolfgang Niedecken & die "WDR Big Band" mit "Nie mit Aljebra" vor dem Kölner Dom, 27.05.2011

 

 

"Für ´ne Fründ" (1987)

„Dieses merkwürdige Gassi gehen zwischen Ankunft und Soundcheck fand während der „Salzjebäck un Bier“-Tour im Schweizer Städtchen Chur statt. 1984, zwei Jahre vor dem Sandoz-Unfall, war der Rhein nur noch eine Kloake und kein Mensch konnte sich vorstellen, dass sich da jemals etwas daran ändern würde. Aber ausgerechnet durch diese Brandkatastrophe und das anschließende Fischsterben, ausgelöst vom kontaminierten Löschwasser, kam es im Rhein zu einer ökologischen Wende. Ich habe mich später des öfteren gefragt, wie es denn wohl in den Nachkriegsjahren um die Wasserqualität des Rheins bestellt war, als sich mein Bruder Heinz und seine Kumpels an die Schleppkähne hingen, um sich stromaufwärts ziehen zu lassen. In den fünfziger Jahren waren wir im Sommer an den Wochenenden regelmäßig nach Langel, direkt gegenüber der Wesselinger Chemiefabrik gefahren, um zu campen und im Fluss zu baden. Eigentlich ganz schön, dass sich unerwarteterweise auch schon mal was zum Besseren wendet. Severin hat jedenfalls noch sehr oft im Rhein schwimmen können, und zwar bei deutlich erhöhter Wasserqualität.“

Aus dem Beiheft zum Album „Reinrassije Strooßekööter“ (2017)

 

Songtext

Video

Youtube-Video von „ohnemitglied“