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Künzelsau, 23. Juni 2000

Ein Bericht von Ulf Dreschke

"Vill zo schön öm wohr zo sinn!" Diese Textzeile geht mir seit dem 23. Juni nicht mehr aus dem Kopf, denn an dem Tag stand endlich "sing Band op dä Bühn". Zwar nicht in der Kölner Sporthalle, um die es in dem Song geht, sondern in einem Ort namens Künzelsau-Gaisbach im Süd-Westen Deutschlands, was mir an diesem Tag allerdings völlig recht war, denn nach sechs Jahren entfernungsbedingtem BAP-Live Entzug hätte ich mich beim Auftritt der Band überall zuhause gefühlt.
Ich stand also nach meiner halben Weltreise aus San Francisco tatsächlich im Publikum vor der Bühne des Würth Open Air um BAP mit offenen Armen, Ohren und Augen zu empfangen (die Vorgeschichte zu diesem für mich weltbewegenden Ereignis könnt Ihr nebenbei bemerkt in meinen "Memoiren" auf der Gedanken-Seite dieser Homepage lesen).
Bevor ich zu den Gig-Details übergehe, möchte ich all denjenigen danken, die schon seit einiger Zeit die Tourtagebücher auf dieser Webseite bereichern. Durch die ganz persönlichen Eindrücke der jeweiligen "berichterstattenden" Konzertbesucher kann man das ganze Drumherum ein bisschen nachvollziehen, selbst wenn man wie ich meistens Kontinente weit entfernt ist.
Doch jetzt zurück nach Künzelsau: Nachdem mein BAP-Blutsbruder Uwe aus Stuttgart Karten besorgt hatte und ich den elfstündigen Flug von San Francisco nach Frankfurt überstanden hatte, trafen wir uns ein paar Tage später in der "Kippe" in Karlsruhe, stärkten uns ein wenig für die bevorstehende Fahrt nach Künzelsau (Nähe Heilbronn) wo am Abend BAP (und Toto) auf dem Programm des Würth Open Air standen. Wir kamen bereits zwei Stunden vor Einlass auf dem Gelände der Firma Würth an. Die Sonne schien, und Uwe und ich nahmen uns kurzerhand vor, Künzelsau-Gaisbach zu erkunden, in der Hoffnung, die Dorfschänke ausfindig zu machen um auf unsere gelungene BAP Aktion anzustoßen. Dieses Vorhaben erwies sich jedoch als nicht realisierbar, da wir trotz Abgrasens des gesamten Vorortes kein einziges Wirtshaus fanden. Wir kamen zwar an einem Haus vorbei, bei dem alles auf Dorfkneipe hindeutete, bei näherem Betrachten jedoch stellte sich auch das als Fata Morgana heraus (die Rolläden waren auf Halbmast und drinnen war gähnende Leere).
Als wir dann ein paar Schritte weiter einen Getränkehandel entdeckten und dort nachfragten, ob es denn hier in Gaisbach eine Wirtschaft gebe, meinte die Verkäuferin nur, dass der frühere Kneipenbesitzer seit kurzem unter der Erde liege und sich noch kein Neuer gefunden habe…. und der Hähnchenwagen sei jetzt auch schon weg! Wir beruhigten die Dame, die sichtlich um unser leibliches Wohlbefinden besorgt war, kauften bei ihr zwei Cola und schlenderten zurück Richtung Open Air.
Es war schon ein wenig seltsam, mit anzusehen, wie plötzlich Tausende von Leuten in diesen Vorort pilgerten und sich für ein paar Stunden hier niederließen. Für meine Begriffe wäre dies der perfekte Rahmen für die ersten zwei Zeilen von "Psycho Rodeo" gewesen, die seit der "Comics & Pinups" Tour im letzten Jahr wohl schon zu geflügelten Worten geworden sind: Wo simmer he, wa’s dat, he woor mer ja no nie, wo simmer he erinnjeroode? Obwohl BAP dieses Stück auf der Partytour 2000 scheinbar nicht im Programm hat, habe ich bei diesem Konzert mein eigenes Psycho Rodeo erlebt. Irgendwie war das Ganze ein bisschen surrealistisch für mich: Seit sechs Jahren hatte ich BAP nicht mehr live gesehen und davor auch meist nur in der Gegend um Köln in den achtziger Jahren. Und jetzt stand ich plötzlich in einem Kaff "in the middle of nowhere" wo gleich BAP erscheinen sollte? Schon ein seltsames Feeling.
Auf einmal stand die Band auf der Bühne und die ersten Gitarrentöne von "Nemm mich met" erklangen. Gänsehaut – toller Sound, der Einsatz der Instrumente einwandfrei, Sheryl Hacketts starke backing vocals, dann Wolfgangs unverwechselbare Stimme, und überhaupt, perfektes Timing all around.
Die ersten drei Stücke ließ ich dann vollkommen auf mich einwirken. "Nemm mich met", "Hück ess sing Band en der Stadt", "Nix wie bessher". Die Musik ging in den Bauch, dazu die Sonne von oben, so richtig zum genießen. Bei den darauffolgenden Stücken bemühte ich mich dann, mehr auf die einzelnen Instrumente und Arrangements zu achten. Von dem, was geboten wurde, war ich restlos begeistert. Besonders der Übergang von "Amerika" zu "Verdammp lang her" war hervorragend ausgetüftelt und bestens dargeboten. Bei der Zeile "ob ich jetz do bin wo ich hinjewollt han" übrigens konnte sich W.N. verständlicherweise das Lachen nicht verkneifen und verkündete lautstark: "Na klar, in Künzelsau, Mann!" Bei "Frau ich freu mich" legte er sich mindestens genauso ins Zeug wie damals vor 15 Jahren.
Bassist Werner Kopal, der mir schon seit den Achtzigern als Mitglied der "Deserteure" ein Begriff ist, wurde dann die Hauptrolle in "Diss Naach" zugeteilt, als es anstelle von "Andy" hieß: "Kumm schmieß dä Jang rinn Werner, diss Naach ess alles drin!"
Gefreut habe ich mich auch über "Stell dir vüür" und die letzte Nummer "Knocking on Heaven’s door" bei der fast alle mal stimmenmäßig ran durften.
Ein bisschen enttäuscht war ich von der Tatsache, dass das Publikum bei weitem nicht so mitgegangen ist, wie ich das erwartet hätte. Vielleicht hatte es damit zu tun, dass viele Leute wegen Toto da waren, die später als Headliner auftreten würden. Außerdem ist es wahrscheinlich doch ein Unterschied, bei einem "Auswärtsspiel" dabei zu sein, denn bei den Gigs im Rheinland ging damals die Post immer ganz anders ab.
Wenigstens hatte ich um mich herum eine kleine Gruppe Fans, die ordentlich mitgegangen sind, sodass ich mich beim Mitsingen und –grooven nicht allzu fehl am Platze fühlen musste.
Leider war das Konzert auch viel zu früh vorbei, BAP spielte gerade mal anderthalb Stunden, aber das ist halt der Nachteil eines Open Airs, wo ein Zeitplan eingehalten werden muss. Jedenfalls hätte ich gerne auf eine halbe Stunde Toto verzichtet und statt dessen auch die BAP-Stücke gehört, die (siehe Setlists) bei vielen anderen diesjährigen Partytour-Konzerten gespielt wurden wie z.B. "Alexandra", "Do kanns zaubere", "Lena", "Et letzte Leed", "Ne schöne Jrooß", und so weiter. Dennoch lohnte sich die Qualität des Gebotenen allemal, selbst wenn der Gig weit unter der BAP-Schallmauer lag, was die Länge des Konzerts betrifft.
Höchst erfreulich war es für mich auch, dass ich am Merchandise-Stand einige Fans getroffen habe, die mit mir vorher über Chrischis Homepage Kontakt aufgenommen haben. Daniel aus Heidelberg und Karin, Klaus, Florian und Felix aus Stuttgart, es war toll, Euch zu treffen! Und Uwe, nochmals Danke für die gelungene Aktion! Allen BAP-Fans noch viel Spaß bei den verbleibenden Partytour Konzerten, ich freue mich schon auf Eure Beiträge hier im Tourtagebuch.